Wenzelsbibel

Wenzelsbibel – die deutsche Bibelprachtschrift 

Die erste deutsche Prachtschrift der Bibel

Beinahe 150 Jahre vor dem Erscheinen der Bibelübersetzung Martin Luthers entstand in der wohl faszinierendsten Buchmalerschule des Mittelalters, in Prag, die älteste Prachthandschrift der Bibel. Die mit 646 Miniaturen gemalte Bibel wurde zwischen 1390 und 1400 hergestellt. Die Maler, die den oft Symbol beladenen und erzählenden Randschmuck für König Wenzel I. von Böhmen schufen, blieben leider alle unbekannt. 

Die mehr als 2400 Seiten stellen den wahrscheinlich wichtigsten und sprachlich schönsten Textzeugen der vorreformatorischen Bibelübersetzungen dar. Von den ursprünglich geplanten 3 Bänden (zwei Bände für das Alte Testament und ein Band für das Neue Testament) wurden allerdings nur die beiden alttestamentarischen Bände auf Grund des gewaltigen Umfangs verwirklicht und im 18. Jh. auf sechs Bände verteilt. Über Erbwege gelangte die Schrift vom böhmischen Hof an die Habsburger. Heute bewahrt die österreichische Nationalbibliothek Teile der riesigen Bände auf. 

Faszinierende Welt der Drôlerien

Die Randverzierungen sind ebenso faszinierend wie die Miniaturen der Wenzelsbibel. Diese Drôlerien sind durch einen unverkennbaren humoristischen Zug gekennzeichnet.

Das durch die Attribute Kübel und Badequast beschriebene Bademädchen im kurzen, hemdartigen Gewand, gehört zu den Hauptfiguren. Dazu gehört inhaltlich eine männliche Figur - wohl der König Wenzel selbst - die am häufigsten als Gefangener in den Buchstaben "W" und "E" dargestellt wird. Weiterhin tauchen auch viele allegorische Wesen wie "Wilder Mann" und "Eisvogel" auf.